Ein bekanntes Sprichwort lautet: „Gegensätze ziehen sich an.“ Als die CRV Deutschland GmbH 2009 die Besamungsstation der Molkerei Meggle übernahm, trafen über 100 Fleckviehbullen, rund 45 Besamungstechniker und bayerische Mentalität auf norddeutsche Unternehmenskultur. „Am Anfang war das Sprachverständnis mit manchen bayerischen Kollegen eher schwierig“, lacht Geschäftsführer Axel Escher. Doch schnell wurde klar, dass beide Seiten hervorragend zusammenpassen. Bis heute sind der Süden Bayerns und das Salzburger Land die einzigen Regionen, in denen CRV den Besamungsservice anbietet.
Wie wichtig dieser Service für viele Betriebe ist und was den Beruf eines Besamungstechnikers wirklich ausmacht, haben wir bei einer eintägigen Tour mit Besamungstechnikerin Melanie Mayer erlebt.
Unterwegs für die nächste Generation

Von der Besamung einer Kuh bis zur nächsten Generation in der Herde: Besamungstechniker begleiten Betriebe oft über viele Jahre hinweg. Was den Beruf so besonders macht, zeigt ein Tag mit Melanie Mayer.
Schon früh am Morgen beginnt für Melanie der Arbeitstag. Nachdem Arbeitskleidung und Ausrüstung vorbereitet sind, hört sie zunächst die Mailbox ihres Handys ab. Anschließend notiert sie die Aufträge und plant ihre Route für den Tag.
In ihrem Stammgebiet betreut sie Betriebe mit 3 bis 160 Tieren. Fleckvieh, Holstein oder Kreuzungstiere - die Vielfalt ist groß. Genau darin liegt auch einer der Vorteile des Besamungsservice. „Wir haben über 100 verschiedene Bullen in unserem Stickstoffcontainer dabei“, erzählt sie. „Dadurch können wir für jede Kuh den passenden Bullen auswählen.“ Außerdem haben die Besamungstechniker Zugriff auf die neuesten und teilweise nur eingeschränkt verfügbaren Vererber. „Ein Betrieb mit eigenem Stickstoffcontainer kann diese Vielfalt oft gar nicht anbieten.“ Dass viele Landwirte den Service trotz eigenem Besamungskübel schätzen, liegt aber nicht nur an der großen Bullenauswahl. „Wir haben zwar einen eigenen
Kübel, rufen aber trotzdem die Meli an“, erzählt eine Landwirtin schmunzelnd. „Sie besamt jeden Tag viele Tiere. An diese Erfahrung kommen wir nie heran. Die Trächtigkeitsrate ist bei ihr deutlich besser als bei meinem Sohn.“

Dabei wäre ihr beruflicher Weg beinahe ganz anders verlaufen. Ursprünglich studierte sie Maschinenbau. Später wollte sie Tiermedizin studieren und arbeitete nebenbei bei einem Tierarzt. Dort entdeckte sie ihre Begeisterung für die Arbeit als Besamungstechnikerin. „Man ist jeden Tag unterwegs, trifft unterschiedliche Menschen und arbeitet mit Tieren. Diese Mischung macht den Beruf für mich so besonders.“ Wie sehr die Landwirte Meli schätzen, zeigt sich während des gesamten Tages. Fast auf jedem Betrieb bleibt Zeit für einen kurzen Ratsch. Es wird über Kühe, Fruchtbarkeit und Zucht gesprochen, aber ebenso über private Themen oder aktuelle Herausforderungen auf dem Hof. „Man muss schon empathisch sein und sich Zeit für die Landwirte nehmen“, sagt sie. „Viele Kunden begleiten wir über Jahre hinweg. Da entsteht automatisch ein besonderes Vertrauensverhältnis.“ Die Besamungstechniker sind beinahe das ganze Jahr über im Einsatz. „Ich habe auch Kunden, die eigentlich selbst besamen und mich anrufen, wenn sie im Urlaub sind oder krank werden“, erzählt Meli. „Dann übernehme ich die Vertretung. Oder ich mache Trächtigkeitsuntersuchungen auf den Betrieben. Das freut mich immer sehr.“
Wie wertvoll der Blick von außen sein kann, zeigt sich während unserer Begleitung gleich mehrfach. Auf einem Betrieb wurde ein Rind zur Besamung gemeldet. Doch Meli erkennt sofort: „Die braucht noch eine Brunst.“ Statt heute wird das Tier erst drei Wochen später zum ersten Mal besamt. Auf einem anderen Betrieb schildert der Landwirt: „Die Kuh wurde vor acht Wochen besamt, aber jetzt stiert sie wieder.“ Nach einer kurzen Untersuchung steht für Meli jedoch schnell fest: „Die ist tragend. Die brauchen wir nicht mehr besamen.“ Zum Beruf gehören daher weit mehr als die Besamung selbst: Fachwissen, Erfahrung und ein geschulter Blick für die Tiere sind entscheidend. Häufig haben die Kunden bereits Anpaarungsempfehlungen aus SireMatch vorliegen. In diesen Fällen ist die Bullenauswahl bereits festgelegt. Fehlen solche Empfehlungen, genügt Meli ein kurzer Blick auf die Kuh. Sie erkennt ihre Stärken und Schwächen, kennt die Zuchtziele des Betriebs und kann den passenden Bullen gemeinsam mit dem Betrieb auswählen.
„Es macht mich immer stolz, wenn ich ein Rind zum ersten Mal besame, das durch eine Besamung entstanden ist, die ich selbst durchgeführt habe. Dann schließt sich für mich irgendwie der Kreis.“
Tipps vom Profi
- Jede Kuh sollte vor der Besamung fixiert und von der Herde getrennt werden – unabhängig davon, ob ein Besamungstechniker kommt oder der Betrieb selbst besamt.
- Der Brunstschleim sollte sich zwischen den Fingern ziehen lassen und dabei „fensterartig“ erscheinen. Erst dann ist der optimale Besamungszeitpunkt erreicht.
- Nach dem Auftauen sollte das Sperma keinen Temperaturschwankungen mehr ausgesetzt werden, um die Spermaqualität nicht zu beeinträchtigen.

WEITERE INFORMATIONEN:
Vet facts Blogbeitrag von Dr. Johann Haunroth: Vet facts - Künstliche Besamung! Wie geht das? - CRV
