Zuchtentscheidungen zu treffen bedeutet, an der Zukunft zu arbeiten!

Rob Wientjes
Rob Wientjes

„Die Ergebnisse der Zucht zeigen sich erst auf lange Sicht“, sagt der niederländische Milchbauer Rob Wientjes aus Sint Anthonis. Deshalb ist es seiner Meinung nach wichtig, bereits jetzt über Merkmale nachzudenken, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Zum Beispiel sind geringe Treibhausgasemissionen pro Kilogramm Milch für ihn ein solches Merkmal.

Die Zucht ist ein Teil des Puzzles

Eine hohe und effiziente Milchproduktion zu erreichen, ist wie das Zusammensetzen eines Puzzles. „Erst wenn alle Teile zusammenpassen, ergibt sich das Gesamtbild“, erklärt Rob Wientjes. Seine Kühe liefern aktuell durchschnittlich 40 kg Milch pro Tag bei rund 4,35 % Fett und 3,60 % Eiweiß. Mit 130 Kühen und zwei Melkrobotern produziert er jährlich über 1,6 Millionen Kilogramm Milch.

Hohe Milchleistungen allein sind für Wientjes jedoch kein Selbstzweck. „Vor ein paar Jahren hätte ich eine solche Leistung nicht für möglich gehalten. Ich tue alles, was ich kann, um die Kühe gesund zu halten, ihnen optimalen Komfort zu bieten und sie mit einer ausgewogenen Ration mit reichlich hochwertigem Raufutter zu füttern. Wenn diese Faktoren stimmen und die Kühe gleichzeitig das passende genetische Potenzial mitbringen, entwickelt sich eine hohe Milchleistung fast von selbst“, meint er. Laut Wientjes ist die Zucht ein wesentlicher Teil des Puzzles. Entsprechend gewichtet er Produktions- und Effizienzeigenschaften stark in seinem Zuchtziel. Gleichzeitig sieht er die funktionalen Merkmale als unverzichtbar: „Eine Kuh braucht stabile Fundamente und einen soliden Körperbau, um langfristig leistungsfähig zu bleiben. Ebenso wichtig ist ein gutes genetisches Potenzial für Gesundheitsmerkmale.“

Methan

Zucht mit Weitblick

„Die Auswirkungen der Zuchtentscheidungen, die man heute trifft, werden erst auf lange Sicht sichtbar“, bemerkt der Landwirt. Deshalb denkt er schon jetzt an Merkmale, die künftig an Bedeutung gewinnen werden. Ein Beispiel dafür sind Treibhausgasemissionen pro Kilogramm Milch. „Die Milchverarbeiter legen bereits jetzt Wert darauf - und der Druck wird weiter steigen“, erwartet er. Rob findet es interessant, dass es genetische Unterschiede zwischen Kühen bei der Emission des potenten Treibhausgases Methan gibt. „Aber das ist nichts, worauf ich mich blindlings konzentriere. Eine effiziente Umwandlung von Futter in Milch und eine hohe Lebensleistungsproduktion sind mindestens genauso wichtig, um die Emissionen pro Kilogramm Milch zu senken“, erklärt er. „Diese Merkmale stehen daher im Mittelpunkt meines Zuchtziels. Da nun aber Zuchtwerte für die Methanreduktion vorliegen, kann ich bereits Bullen aussortieren, die bei diesem Merkmal schlecht abschneiden. Und wenn ich zwischen drei Bullen wählen muss, die ansonsten vergleichbar sind, entscheide ich mich für den Bullen mit dem höchsten Zuchtwert für Methanreduktion“, sagt er.

Rob Wientjes liefert seine Milch an FrieslandCampina. „Meine Molkerei belohnt geringere Treibhausgasemissionen pro Kilogramm Milch, und das motiviert mich, daran zu arbeiten“, erklärt er. „Ich habe bereits einiges darüber gelernt, welche Betriebsführungsfaktoren ich beeinflussen kann, um meine Bewertung zu verbessern. Die Zucht ist einer dieser Faktoren. Und der Zuchtwert für die Methanreduktion ist ein Instrument zur Feinabstimmung.“

„Gemeinsam mit meinem Zuchtspezialisten wähle ich die Bullen aus, die am besten zu meinem Zuchtziel passen.“
„Gemeinsam mit meinem Zuchtspezialisten wähle ich die Bullen aus, die am besten zu meinem Zuchtziel passen.“

Kühe mit gleicher Milchleistung können sich deutlich in ihren Methanemissionen unterscheiden. Diese Unterschiede sind zum großen Teil genetisch bedingt – und genau hier setzt die Zucht an: Sie ermöglicht es, gezielt auf geringere Methanemissionen pro Kilogramm Milch zu selektieren. Der Zuchtwert für Methanreduktion von CRV beschreibt die Menge an Methan, die eine Kuh täglich produziert – unabhängig von ihrer Milchleistung. Durch die gezielte Selektion in diesem Merkmal bleibt die Milchleistung stabil oder kann sogar weiter gesteigert werden, während die Methanemissionen pro Kuh und Tag sinken. Das Ergebnis: weniger Methan pro Kilogramm Milch – und damit eine effizientere und klimafreundlichere Milchproduktion.