Vet Facts - Euterschwulst

Euterschwulst

Schwellung des Euters zur Kalbung ist nicht gut. Wir kennen alle Färsen, die es betrifft und die in schlimmen Fällen sogar ein Euter-Schenkel-Ekzem entwickeln, was äußerst schmerzhaft und auch eklig ist. Das Ekzem entsteht durch die Reibung mit dem plötzlich geschwollenen Euter. Diese schmerzhafte Wunde wirft die frisch gekalbten Färsen stark zurück und beeinträchtigt sie lange, in Sachen Futteraufnahme und Milchleistung und schlecht aussehen tun sie meistens auch dabei.

Euterödeme können aber auch ältere Kühe betreffen. Die Ursachen sind sehr ähnlich, bei älteren kommt noch „Vorschädigung“ als Ursache dazu. Hatte eine Kuh als Erstkalbin ein Euterödem, wird der Bandapparat und auch das Lymphsystem so geschädigt, dass sie mit höherer Wahrscheinlichkeit bei der nächsten Kalbung wieder Schwulst bekommt.
Auch steigt das Risiko für Euterentzündungen: Euterschwulst ist äußerst schmerzhaft und das hemmt den Milcheinschuss. Wenn nicht gut ausgemolken wird und die geschwollene Kuppe schlecht schließt, dann noch das nicht abtransportierte Gewebswasser dazukommt, ist das ZZ-Problem (Zellzahl/Mastitis) schon vorprogrammiert.
Durch den geschädigten Aufhängeapparat hängt das Euter tiefer - was das fürs Melken bedeutet, ist klar. Aber auch Wunden am Euter, vor allem am Euterspiegel, entstehen in tiefen Taschen am ehesten.

Um ein dickes Euter läuft es sich schlecht, und der Stress hemmt zusätzlich die Futteraufnahme. Das können wir uns aber gerade um die Kalbung natürlich nicht leisten. Gerade jetzt muss die Futteraufnahme so schnell wie möglich steigen. Färsen mit Euterödem haben bei der ersten Probemelkung durchschnittlich 3,58kg weniger Milch.

Alles Nachteile, die uns bewusst sind. Aber wie verhindert man es denn?

Damit sind wir beim schwierigen Teil! Hier streiten sich die Fachleute, sicher ist folgendes: Euterödem hat mehrere Ursachen.

1. Die Wichtigste sind das Gewicht und die körperliche Reife. Eine alte, fette Färse hat ein größeres Risiko, weil durch das hohe Gewicht der Blut- und Gewebswasserfluss abgedrückt wird. Außerdem muss sich bei Erstkalbinnen die Milchader ja erst ausbilden, und das gilt genauso für das Lymphsystem. Die alte Regel stimmt also: ein Jungrind sollte besamt werden, wenn es 65% des Abkalbegewichts hat. Und das Abkalbegewicht sollte 85 % des Gewichts einer Herden-Durchschnittskuh sein. Hier hilft es, das eigene Auge noch mal zu kalibrieren: 170 cm Vorderbrustumfang entsprechen ungefähr 400 kg - ideales Erstbesamungsgewicht. Nach Alter kann man da wirklich nicht gehen, die Aufzucht ist doch sehr unterschiedlich und einige Tiere sind einfach früher so weit und werden nur fett, wenn sie zu spät besamt werden. Gerade bei intensiver Aufzucht kann dadurch viel Stallplatz, Gülle und GV gespart werden. Fettgewebe hat auch noch andere ärgerliche Eigenschaften, unter anderem hat es durch seine hormonbildenden Eigenschaften einen schlechten Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

2. Außerdem haben fette Kühe eine hohes Ketoserisiko. Und Ketose oder auch schon unterschwellige Ketose hat auch was mit Euterschwulst zu tun, hier ist die Leberbelastung das Problem. Leberbelastung ist eine Sache, die sich mit der Fütterung der Trockensteher beeinflussen lässt. Hier noch mal der Hinweis auf unseren Blogbeitrag dazu. Die Futteraufnahmemenge ist entscheidend!

3. Wie viel Milch die Färse zu geben „plant“ hat auch einen Einfluss. Je mehr Milch die Färse schon in den ersten Tagen nach der Kalbung produziert, desto praller ist das Euter und das gespannte Gewebe lässt das Gewebswasser nicht mehr raus. Die Genetik ist wichtig, aber die Fütterung vor der Kalbung ist noch wichtiger. Eine Energie- und Eiweißüberversorgung ist für die Biestmilchmenge und das Eutergewebe ungünstig: wenn sehr viel Kolostrum produziert wird, ist die Qualität durch den Verdünnungseffekt oft nicht mehr top. Schwulst ist ein Nebeneffekt.

4. Die Mineralversorgung wird auch oft diskutiert, hier ist geht es darum, dass die Trockensteherration nicht sortiert werden kann, so dass die Versorgung gleichmäßig ist. Mineralfutter ist auch für Erstkalbinnen wichtig, denn auch sie können unterschwelliges Milchfieber bekommen, was natürlich schlecht für die Futteraufnahme und Gebärmuttergesundheit ist. Wenn es die Betriebsgröße zulässt, können Erstkalbinnen eine eigene Ration ohne saure Salze bekommen. Salze werden als Ödem-förderlich diskutiert.

5. Auch die Jahreszeit hat einen Einfluss. Wie es genau funktioniert, weiß man nicht. Aber im Winter gibt es mehr Ödeme als im Sommer. Auffällig vor allem in Ländern, in denen es im Sommer sehr heiß ist.

6. Wasserversorgung ist wichtig, denn wenn die Körperflüssigkeiten wie Blut und Lymphe sehr dickflüssig sind, laufen sie auch schlecht ab.

Letztendlich gilt:

Euterödem werden wir vermutlich auch bei bester Haltung und Versorgung nicht ganz los. Aber man kann es den Tieren so gut wie möglich erleichtern. Dazu gehört auch, dass eine frische Kuh sich in eine weiche nachgiebige Liegebox legen kann, um das Euter nicht weiter abzuklemmen. Auch gut fürs Euter ist, wenn das Tier öfter aufsteht und kleine Portionen frisst (normal sind 10-12 Mahlzeiten). Jedes Mal bekommt das Euter durchs Gehen und die Bewegung die Chance, etwas Gewebsflüssigkeit loszuwerden. Also müssen auch die Klauen in Ordnung sein, und es muss immer Zugang zum Futtertisch und zu genug Liegeboxen geben. Überbelegung ist wirklich nicht gut für frisch abgekalbte Färsen!