Mehr Ertrag mit dem Melkroboter-Index

Melkroboter

Fragt man einen Landwirt nach der idealen Roboter-Kuh, erhält man fast immer dieselbe Antwort. AMS-Betriebe wollen Arbeitskraft sparen und die Rendite ihrer Investition maximieren.

Dafür braucht es Kühe, die das System schnell erlernen, den Roboter regelmäßig von sich aus aufsuchen und möglichst viele Fett- und Eiweiß-Kilogramm pro Minute Roboterzeit produzieren. Gert-Jan van den Bosch, internationaler Genetikspezialist bei CRV, hört dies von Landwirten weltweit und bekommt auf die Frage, welche Merkmale die ideale „Roboter-Kuh“ haben sollte, die gleiche Antwort: hohe Melkgeschwindigkeit, gute Beine, optimale Strichlänge, Euterbalance und die Stellung der hinteren Striche. Ob die Selektion nach diesen Merkmalen jedoch wirklich zu weniger Arbeitsaufwand und mehr Ertrag führt, ist fraglich. „Wäre es nicht effektiver, auf Merkmale zu züchten, die in direktem Zusammenhang mit Arbeitsaufwand und Rentabilität stehen?“, schlägt er vor.

Die Zucht trägt dazu bei, den Arbeitsaufwand zu verringern und die Rentabilität des automatischen Melkens zu steigern.

Eine Selektion anhand des Melkroboter-Index führt zu

  • mehr Kilogramm Fett und Eiweiß pro Roboter und Tag,
  • zu Färsen, die sich schneller an den Roboter gewöhnen,
  • zu einem kürzeren Melkintervall,

wobei die Eutergesundheit erhalten bleibt oder sich sogar verbessert.

Kleiner Unterschied, große Wirkung

Durch den Datenaustausch mit Tausenden von Melkrobotern verfügt CRV über Daten aus rund 3,5 Milliarden Melkvorgängen von 2,3 Millionen automatisch gemolkenen Kühen. Diese umfassen unter anderem Roboterbesuche, die gesamte Melkzeit und die Milchleistung. Auf Basis dieser Daten schätzt CRV Zuchtwerte für die Melkroboter-Effizienz, das Melkintervall sowie die Gewöhnung an den Melkroboter. Die Melkroboter-Effizienz ist definiert als die Milchleistung – korrigiert um Fett- und Eiweißanteil – pro Minute Roboterzeit. Der durchschnittliche Zuchtwert liegt bei 100. Werden ausschließlich Bullen mit einem Zuchtwert von 104 auf Kühe mit einem Durchschnittswert von 100 eingesetzt, ergeben sich Töchter mit einem Mittelwert von 102. Das entspricht 0,11 kg zusätzlicher Milch pro Minute Roboterzeit. Was zunächst nach einer geringen Menge klingt, summiert sich deutlich: Pro Melkroboter entstehen 132 kg zusätzliche Milch pro Tag und über 48.000 kg pro Jahr.

Roboter

Kürzeres Melkintervall, schnellere Gewöhnung

Das Melkroboter-Intervall beschreibt die Zeitspanne zwischen zwei Melkvorgängen. Der Einsatz von Bullen mit einem Zuchtwert von 104 verkürzt dieses Intervall um fast 15 Minuten. Das entspricht etwa 0,1 zusätzlichen Melkvorgängen pro Kuh und Tag und führt dazu, dass weniger Kühe aktiv zum Melken geführt werden müssen. Auch die Züchtung auf die Gewöhnung an den Melkroboter spart direkt Arbeitszeit. Je schneller Färsen den Roboter selbstständig aufsuchen, desto weniger Zeit verbringt der Landwirt damit, sie dorthin zu bringen. Der Einsatz entsprechender Bullen reduziert die Differenz zwischen dem Melkintervall in der frühen und späten Laktation um rund 9 Minuten – ein klares Zeichen für eine schnellere Anpassung.

Erhaltung der Eutergesundheit

Der Index bündelt die Zuchtwerte für Melkroboter‑Effizienz, Melkintervall und Gewöhnung an den Melkroboter und berücksichtigt zusätzlich die Eutergesundheit. Eine hohe Melkroboter‑Effizienz geht zwar meist mit einer hohen Melkgeschwindigkeit einher, doch eine zu hohe Geschwindigkeit kann sich negativ auf die Eutergesundheit auswirken. Durch deren Einbeziehung werden Zuchtentscheidungen vermieden, die langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen würden. Die Selektion nach dem Melkroboter‑Index resultiert in mehr Kilogramm Fett und Eiweiß pro Roboter, Färsen, die sich schneller an den Roboter gewöhnen, sowie kürzeren Melkintervallen – bei gleichzeitig erhaltener oder sogar verbesserter Eutergesundheit. Der größte Zuchtfortschritt wird dabei über die Effizienz des Melkroboters erzielt, gefolgt vom Melkintervall und der Gewöhnung. Die Eutergesundheit ist geringer gewichtet, bleibt jedoch ein fester Bestandteil, um negative Effekte zu verhindern. Dank ausreichender genetischer Variation bei Kühen und Bullen sind deutliche Fortschritte möglich. Im aktuellen CRV‑Holstein‑Angebot weist etwa die Hälfte der Bullen einen Melkroboter‑Index von 104 oder höher auf.

Roboter

Auswahl nach Index, Zucht nach Körperbau

Die Analyse der Roboterdaten zeigt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Melkroboter‑Index und klassischen Körperbaumerkmalen wie Strichstellung, Eutertiefe oder Vorder‑Euteransatz. Auch die Korrelation mit Strichlänge und Bewegungsablauf ist nur schwach ausgeprägt. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Körperbau unwichtig ist: Extreme sollten weiterhin vermieden werden. So hat der Melkroboter beispielsweise Schwierigkeiten, hintere Striche anzusetzen, die sich berühren oder überkreuzen. Die größten Einsparungen an Arbeitszeit und die höchsten Rentabilitätssteigerungen werden durch die Auswahl von Kühen und Bullen mit einem hohen Melkroboter‑Index erreicht. CRV berechnet diesen Index in HerdOptimizer für genomisch getestete sowie an ihren Töchtern bewährte Holstein‑Bullen. Erkenntnisse aus der Marker‑Forschung liefern zudem Informationen zu den Zuchtwerten weiblicher Tiere, die im HerdOptimizer verfügbar sind. Nach der Auswahl der genetisch besten Tiere lassen sich mögliche Körperbau‑Extreme durch gezielte Paarungen vermeiden – hierbei ist SireMatch ein wertvolles Hilfsmittel.

Drei Zuchtwerte in einem Melkroboter Index

Der Melkroboter-Index setzt sich zusammen aus:

  • Effizienz des Melkroboters
  • Melkintervall des Melkroboters
  • Gewöhnung an den Melkroboter
  • Eutergesundheit

Die Zucht nach diesem Index führt zu mehr Fett und Eiweiß pro Roboter und Tag, einer schnelleren Anpassung bei Färsen und kürzeren Intervallen zwischen den Melkvorgängen bei gleichbleibender oder verbesserter Eutergesundheit.


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