Vet Facts mit Dr. Johann Haunroth

Dr. Johann Haunroth bringt als langjährig praktizierender Rinder-Tierarzt einen großen Erfahrungsschatz in der Rindergesundheit mit.
Dr. Johann Haunroth bringt als langjährig praktizierender Rinder-Tierarzt einen großen Erfahrungsschatz in der Rindergesundheit mit.

„Muscle Weakness“ oder „Früh einsetzendes Muskelschwächesyndrom bei Holsteinrindern“ (MW) - eine neue Kälberkrankheit?

Das Muskelschwächesyndrom (MW) tritt in den letzten Jahren bei neugeborenen Kälbern auf. Es handelt sich um eine genetische Störung.
Betroffen sind nach derzeitigem Kenntnisstand Kälber der Rasse Holstein.

Das früh einsetzende Muskelschwächesyndrom (MW) wurde Anfang der 2020er Jahre in den USA entdeckt und beschrieben. Auch aus Australien gibt es Fallbeschreibungen, in denen eine genetische Mutation als Ursache nachgewiesen wurde. Das Syndrom wurde auch hier zuerst bei Holsteinkälbern entdeckt. Betroffene neugeborene Kälber zeigen eine allgemeine Muskelschwäche, sind unfähig aufzustehen oder fallen trotz Hilfestellung wieder um. Dazu kommen Probleme beim Saugen, allgemeine Schwäche sowie Muskelzittern und Muskelzuckungen. Betroffene Kälber fallen durch den schleichenden Verlauf der Erkrankung auf. Diese Kälber sind anfällig für Neugeborenendurchfall und Atemwegserkrankungen. Behandlungsversuche sind unwirksam. Meist sterben die Kälber oder müssen euthanasiert werden.
Bei der Untersuchung von solchen Kälbern müssen aber zunächst andere Ursachen abgeklärt werden. Das Krankheitsbild lenkt zunächst den Verdacht auf Verletzungen im Geburtsverlauf.
Weitere Ursachen können Stoffwechselerkrankungen, Mangelversorgung mit Vitamin E, Selen oder Eisen, sowie Infektionen oder neurologische Störungen sein.
Auch hier erfolgt zunächst eine klinische Untersuchung des Kalbes, gefolgt von Probenentnahmen wie z.B. Blut für Stoffwechselparameter oder Blut- und Gewebeproben für den Nachweis der Bovinen Virusdiarrhoe (BVD/MD).

Fazit: Kälber mit den Symptomen des Muskelschwächesyndroms (MW) sollten zunächst klinisch untersucht und Proben entnommen werden, um Verletzungen, Stoffwechselerkrankungen, Mangelversorgung, Infektionen und neurologische Störungen als Ursachen ausschließen zu können.

Für eine weitergehende Diagnostik wird mittlerweile auch in Deutschland ein DNA-Test angeboten, um betroffene Kälber mit dem Gendefekt für das Muskelschwächesyndrom erkennen zu können.