Interview mit Pieter van Goor - 10 Jahre Effizienz und Gesundheit

Interview

mit Pieter van Goor

    Pieter van Goor: Auf die Forschung kommt es an!

    Pieter van Goor arbeitet schon seit 40 Jahren für CRV in den Niederlanden. Er war zunächst 16 Jahre lang Sire Analystist. Anschließend übernahm er für 12 Jahre das Management des Nucleus Programms und für weitere 5 Jahre die Leitung des Zuchtprogramms. Seit 6 Jahren ist er Projektleiter für die Projekte "Futtereffizienz" und "Methanemissione" in der Abteilung für Innovation und Genetik.

    Somit war er wie kein anderer von Beginn an an der Entwicklung der Zuchtwerte für Effizienz und Gesundheit beteiligt. Im Interview erhalten Sie unter anderem Einblicke in den Prozess der Entwicklung neuer Zuchtwerte, den Einfluss von Effizienz und Gesundheit auf unser Zuchtprogramm und seine persönliche Motivation.


    Hallo Pieter,

    ich freue mich sehr darüber, dass Sie anlässlich unseres Jubiläums "10 Jahre Effizienz und Gesundheit" Ihre Erfahrungen aus dem Bereich der Forschung mit uns teilen möchten!


    2013 wurden in Deutschland die CRV, Zuchtwerte, Gesundheit und Effizienz eingeführt. Wie haben Sie zu diesem Prozess beigetragen?

    In Deutschland wurden sie zur gleichen Zeit wie in den Niederlanden eingeführt. Damals haben wir uns für diese beiden Zuchtwerte entschieden, weil wir merkten, dass es fast zu viele Merkmale und Zuchtwerte gab. Jedes Jahr kamen neue Zuchtwerte hinzu und wir erkannten, dass dies für die Landwirte verwirrend sein könnte, da wir bereits mehr als 70 Merkmale mit Zuchtwerten hatten. Zum Beispiel die Zuchtwerte "Ketose" und "Klauengesundheit". Die Landwirte fragten: "Was soll ich mit ihnen machen? Wie kann ich sie nutzen?" "Was ist das Beste für meinen Betrieb?" Also haben wir uns gefragt: Welche sind für den Landwirt am wichtigsten? Auf welche sollte er sich konzentrieren? Deshalb haben wir beschlossen, es mit nur zwei verschiedenen Zuchtwerten, die die wichtigsten Merkmale kombinieren, einfacher zu machen. Damals nannten wir sie "Better Life Health Index" und den "Better Life Efficiency Index" und später hießen sie "CRV Efficiency" und "CRV Health Index". Dies sollte es den Landwirten erleichtern, die richtigen Bullen auszuwählen und sich auf die wichtigsten Merkmale zu konzentrieren.

    CRV war Pionier bei der Entwicklung von Zuchtwerten abseits der Milchleistung und dem Exterieur, wie zum Beispiel Klauengesundheit und Ketose. Was war Ihre persönliche Motivation für die Entwicklung solcher Zuchtwerte?

    Wenn man sich die Abgangsgründe auf den Betrieben ansieht, erkennt leicht die häufigsten Ursachen. So verließen beispielsweise 18 % der Kühe den Betrieb wegen geringer Fruchtbarkeit, 13 % wegen Problemen mit der Klauengesundheit und 11 % wegen Problemen mit der Eutergesundheit. Wir dachten uns also, dass es den Landwirten wirklich helfen würde, wenn sie den richtigen Schwerpunkt auf die richtigen Merkmale legen, um die Zahl der Kühe, die den Betrieb verlassen, zu verringern. Deshalb haben wir beschlossen, uns auf die Merkmale zu konzentrieren, die dafür wichtig sind. So wurden Fruchtbarkeit, Eutergesundheit und Klauengesundheit zu den Bausteinen von CRV-Gesundheit.

    Ihr Ziel ist es also, die Faktoren zu minimieren, die dazu führen, dass die Kühe den Betrieb verlassen. Glauben Sie, dass dies die Landwirte davon überzeugt hat, auf Gesundheit und Effizienz zu züchten? Oder gibt es auch andere Gründe?

    Es war ziemlich schwierig, die Landwirte von der Verwendung dieser Zuchtwerte zu überzeugen, denn sie waren es gewohnt, nur die Zuchtwerte für die Produktion und das Exterieur zu verwenden, nicht aber die für Gesundheitsmerkmale. Wir müssen also die Abgangsgründe und die Auswirkungen der Verwendung unserer Zuchtwerte darauf für unsere Landwirte gut visualisieren und die praktische Relevanz verdeutlichen. Zum Beispiel ist ein Zuchtwert von 108 für Klauengesundheit besser als 100 und führt zu besserer Klauengesundheit, aber was bedeutet das wirklich für den Betrieb? Die töchtergeprüften Bullen, die wir haben, wie Rosebud oder Esperanto, haben Zuchtwerte von 109 oder 110 für Klauengesundheit, was sehr gut ist. Was bedeutet das nun für den Landwirt und für die Nachkommen dieser Bullen in der Praxis? Wir sehen, dass zum Beispiel die Nachkommen von Rosebud und Esperanto 25% bis fast 40% weniger Klauenprobleme haben. Das ist ein enormer Anteil, und wir müssen dies unseren Landwirten viel besser vermitteln, damit sie den Nutzen der Zucht auf Gesundheit und Effizienz verstehen. Das Gleiche gilt für die Futtereffizienz: Was bedeutet es wirklich für Ihre Herde, wenn Sie Bullen mit 108 für Futtereffizienz einsetzen? Sie brauchen weniger Futter für die gleiche Menge Milch, oder sie produzieren mehr Milch mit der gleichen Menge Futter. Wir verwenden mehr und mehr Zahlen, Daten und Fakten, um zu zeigen, was diese Zuchtwerte in der Praxis bedeuten. Das wird den Landwirten helfen, eine gute Bullenauswahl für ihren Betrieb zu treffen.

    Sie sagten, dass Sie derzeit Berechnungen für die Futtereffizienz verwenden. Werden Sie in Zukunft auch Berechnungen für andere Merkmale veröffentlichen?

    Ja, wir arbeiten daran. Ich verwende diese Art von Informationen bereits in meinen Präsentationen, um den Landwirten Tabellen mit den verschiedenen Bullen und deren Auswirkungen auf die Klauengesundheit oder andere Gesundheitsmerkmale zu zeigen. Ich denke, dass es die Landwirte überzeugt, wenn wir weniger abstrakt kommunizieren, sodass sie diese Informationen leicht in einen praktischen Nutzen für ihre Betriebe umsetzen können.

    Was hat Sie davon überzeugt, dass eine Nachfrage nach den Zuchtwerten auf dem deutschen Markt besteht?

    Ich denke, dass sich der deutsche Markt nicht wesentlich vom niederländischen Markt unterscheidet. Auch hier gibt es größere und kleinere Betriebe, und die Bedingungen sind ziemlich ähnlich wie in den Niederlanden.

    In den Niederlanden legen wir den Schwerpunkt auf langlebige, gesunde Kühe mit einer guten Produktion, um rentable Herden zu erhalten. Vielleicht haben wir uns schon ein bisschen länger auf die Langlebigkeit konzentriert. In den Niederlanden verbleiben die Kühe fast eine Laktation länger in der Herde als in Deutschland. Und wenn man sich zum Beispiel Kühe in Nordamerika ansieht, beträgt der Unterschied sogar zwei Laktationen. Das zeigt, dass man, wenn man in der Zucht auf ein bestimmtes Merkmal Wert legt auch Resultate erzielt, aber nicht in kurzer Zeit, da Zucht ein langfristiger Prozess ist.

    Kühe mit drei 4, 5 oder 6 Laktationen geben 25 bis 35% mehr Milch als junge Kühe. Hat man langlebige Kühe, so muss man zudem nicht so viel Jungvieh aufziehen und kann die Aufzuchtkosten senken. Außerdem steigt die Produktion und ältere Kühe haben eine etwas bessere Futterverwertung. Eine Laktation länger auf dem Betrieb bedeutet ungefähr 5% weniger Methanemissionen. Es war schon immer wichtig, auf langlebige Kühe zu setzen, die eine hohe Produktion und eine gute Gesundheit haben. In Zukunft wird dies aber noch wichtiger sein, weil wir die Methanemissionen reduzieren müssen. Deshalb denke ich, dass das, was für die Niederlande wichtig ist, auch für den deutschen Markt wichtig sein wird.

    Können Sie den Prozess der Entwicklung eines Zuchtwerts beschreiben?

    Es fängt immer damit an, sich zu fragen: "Was wird in Zukunft wichtig sein?" Dann muss man diskutieren, welche Art von Zuchtwert man haben möchte und wie viele Informationen man braucht, um einen zuverlässigen Zuchtwert zu berechnen. Dann überlegt man, welche Art von Projekt man starten sollte, um diese Informationen zu erhalten. Das Schöne an der Forschung ist, dass es jedes Mal etwas Neues gibt, mit dem man beginnen kann. Man kann immer noch weiter gehen.

    Wann hat der Prozess zur Entwicklung der Zuchtwerte begonnen und was ist wichtig für die Datenerhebung?

    Um das Jahr 2000 herum erkannten wir, dass Gesundheitsprobleme auftauchten, als wir uns in der Zucht sehr auf die Steigerung der Produktion konzentrierten, und kamen daher überein, dass es notwendig ist, mehr Gewicht auf die Zucht auf Gesundheitsmerkmale zu legen. Es ist ziemlich schwierig, auf Gesundheitsmerkmale zu selektieren, weil die Erblichkeit geringer ist. Das Gleiche gilt auch für die Futtereffizienz. Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Damals haben wir uns auf die Fundamente konzentriert, aber nicht so sehr auf die Klauengesundheit. Dennoch waren die meisten Probleme mit den Fundamenten Klauenprobleme und nicht die Fundamentausprägung. 80 % aller Probleme mit den Fundamenten hatten mit den Klauen zu tun. Es war also klar, dass wir mehr Informationen über die Klauengesundheit der Kühe sammeln mussten.

    Im Jahr 2004 starteten wir ein Programm und nannten es "DigiKlauw". Wir haben eine Anwendung für professionelle Klauenpfleger entwickelt, in der sie Informationen über den Zustand der Klauen in den Betrieben, auf denen sie arbeiten, direkt eingeben können. Da es in den Niederlanden hunderte von professionellen Klauenpflegern gibt, konnten wir auf eine breite Datenbasis zurückgreifen. Um einen Zuchtwert für die Klauengesundheit zu erarbeiten, braucht man nicht die Daten von hundert oder tausend Kühen, sondern von zehntausenden von Kühen. Deshalb hat die Entwicklung auch einige Jahre gedauert. Im Jahr 2010 hatten wir genug Informationen gesammelt, um einen Zuchtwert zu berechnen. Mittlerweile haben wir bereits 1.800.000 Daten. Als wir 2010 anfingen, war die Zuverlässigkeit des Zuchtwertes noch gering, denn die Erblichkeit der Klauengesundheit liegt bei 10 -12 %. Es ist nicht schwierig, einen Zuchtwert für die Klauengesundheit zu ermitteln, aber es kostet viel Zeit und Geld, einen zuverlässigen Zuchtwert zu ermitteln.

    Für die Klauengesundheit galt 2004 das Gleiche wie nun für die Futtereffizienz. Im Jahr 2014 diskutierten wir über die Bedeutung der Futtereffizienz für unsere Landwirte, aber wir hatten noch keine Daten darüber. Wir sammelten bereits seit den 1990er Jahren Informationen über die Futteraufnahme, aber das waren nur ein paar hundert Kühe und später ein paar tausend. Das war nicht genug, um einen zuverlässigen Zuchtwert zu ermitteln. Also starteten wir ein Pilotprojekt: "Wie können wir Daten von kommerziellen Milchviehbetrieben sammeln?" Wir haben zwar Forschungsbetriebe wie in Deutschland, aber diese sammeln nur Daten von einigen Hundert, vielleicht Tausend Kühen. Das reicht nicht für die Entwicklung eines zuverlässigen Zuchtwerts aus.

    Bei unseren bewährten Bullen wie Esperanto und Ranger haben wir zum Beispiel für die Futtereffizienz bereits Sicherheiten von 70 bis 80 %, weil wir auf die Informationen vieler Nachkommen zurückgreifen können. Diese Informationen können wir dann nutzen, um eine genomische Vorhersage für die Zuchtwerte der Jungbullen zu treffen. Unsere Jungbullen haben bereits eine Sicherheit von 50 % für Futtereffizienz. Das liegt daran, dass wir sehr viel Geld in die Forschung investieren. Wir haben allein 3 Millionen Euro investiert, um Daten über die Futteraufnahme von Milchkühen zu erhalten. Dieses Geld kommt nicht von der Regierung. Wir starten diese Forschungsprojekte selbst und warten nicht auf Forschungsbetriebe oder die Regierung. Das ist manchmal schwierig, aber so arbeiten wir nun einmal.

    Ein anderes Beispiel war der Beginn der genomischen Selektion. Wir hatten bereits einige Millionen investiert, bevor andere anfingen, daran zu arbeiteten. Wir haben schon 2008 damit begonnen, während die anderen Rinderzuchtunternehmen erst 2010 damit auf den Markt kamen. Natürlich kostet dies viel Geld, aber wir sind eine Genossenschaft und unsere Mitglieder sind davon überzeugt, dass wir Geld in die Forschung und insbesondere in die Forschung auf kommerziellen Milchviehbetrieben investieren sollten. Wir halten es für sehr wichtig, dass wir auf kommerziellen Milchviehbetrieben und nicht nur auf Forschungsbetrieben unsere Zuchtwerte erforschen. Auf diese Weise sehen die Landwirte auch, dass wir unter denselben Bedingungen forschen, die sie auf ihren Betrieben haben. Zu Beginn der Erhebung von Daten zur Futtereffizienz habe ich auf dem ersten Betrieb gesehen, dass die 25 % besten Kühe in Bezug auf die Futtereffizienz ein Viertel weniger Futter benötigten, um die gleiche Menge Milch zu produzieren. Als ich das zum ersten Mal sah, konnte ich es kaum glauben, und der Landwirt sagte: "Oh, das ist doch nicht möglich. Dieser große Unterschied kann nicht wahr sein." Ich dachte, dass es sich vielleicht um einen Zufall auf diesem Betrieb handelt, aber als wir die Anzahl der Betriebe auf fünf erhöhten, konnten wir auf jedem Betrieb den gleichen Effekt feststellen. Wir können also sicher sein, dass dies auch auf anderen Betrieben der Fall sein wird, und deshalb wird es für die Landwirte wichtig sein, dies bei der Zuchtstrategie für ihre Herden zu berücksichtigen. Derzeit arbeiten wir an einem Zuchtwert für Methanemissionen. Wir haben damit begonnen, die Methanemissionen in 100 kommerziellen Milchviehbetrieben mit insgesamt 15.000 Kühen zu messen, um eine Vielzahl von Daten zu erhalten. Dies tun wir gemeinsam mit Partnern wie der Universität Wageningen und Friesland Campina. In einem unserer Praxisbetriebe untersuchen wir auch die Zusammenhänge zwischen Futtereffizienz und Methanemissionen.

    Diese Art der Datenerhebung macht uns ein wenig einzigartig, denke ich.

    Welchen Einfluss hat die Entwicklung dieser Zuchtwerte auf das Zuchtprogramm und welche Rolle spielt das Milchviehzuchtzentrum in diesem Prozess?

    Sie spielt eine ziemlich große Rolle, denn 80 % aller Bullen, die wir selektieren, stammen aus dem Delta Zuchtprogramm, in dem wir Embryonen aus unseren Donorfärsen gewinnen.

    Noch ein Beispiel: Wir wollen in der Zucht den Fokus auf die Klauengesundheit legen, da diese sehr wichtig für uns ist. Dann können wir die Färsen, die eine gute Klauengesundheit haben, mit Hilfe von genomischen Untersuchungen auswählen und weiter im Zuchtprogramm nutzen. So können wir in unserem Zuchtprogramm einen besonders hohen Zuchtfortschritt zu erzielen. Hierfür ist es sehr wichtig zu wissen, welche Merkmale für das Zuchtziel am wichtigsten sind. Viele Landwirte legen Wert auf ein gutes Exterieur, aber ist dies für kommerzielle Milchviehbetriebe wichtig genug, um in einem Zuchtprogramm viel Wert auf das Exterieur zu legen? 99 % aller unserer Landwirte werden mit ihren Kühen nie an einer Schau teilnehmen, sondern wollen langlebige Kühe haben. Daher ist es wichtiger, dass sie gesund sind und gut produzieren.

    Können Sie in einem Satz zusammenfassen, was CRV zu einem Experten für Effizienz und Gesundheit macht?

    Typisch für CRV ist, dass wir viel Geld in die Forschung auf kommerziellen Milchviehbetrieben mit einem starken Fokus auf Gesundheit und Effizienz investieren.


    Vielen Dank, Pieter!

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